Das Ding mit der Vermenschlichung #2

KatzenfutterDer zweite Teil der Artikelserie „Das Ding mit der Vermenschlichung“ möchte sich näher mit „menschgemachten“ Vorstellungen, was ein Hund so alles bräuchte – und womit er leider sehr oft überfrachtet und eben vermenschlicht wird – beschäftigen.

Beleuchten wir zunächst

 2. Vermenschlichung in der Ernährung

Liebe geht durch den Magen … sagt man. Und je mehr ich meinem Hund Gutes – also in Form von Futter – tue, desto mehr liebt er mich. Das mag die logische Schlussfolgerung sein. Und schon bekommt Bello ständig Leckerchen einfach so, weil er so süß guggt. Bekommt vorgekochtes Essen mit allerlei Pipapo, natürlich auch immer mal ein Häppchen vom Tisch. Die Futtermittelindustrie hat Millionenumsätze mit Produkten wie „Milchdrops“, „Joghurtgums für Hunde“, „Hundeschokolade“ und allerlei sonstigen  „Leckereien“. Sind sie das wirklich? Bei genauerer Betrachtung erhält man Zuckerpampe mit Geschmacks- und Farbstoffen. Dazu noch meistens vollkommen überteuert. Wenn man bedenkt, dass fast nichts drin ist, was einen Ernährungsphysiologischen Wert für unsere Hunde hätte…
Bitte nicht falsch verstehen …. es spricht nix dagegen, dem Hund sein Essen zu kochen. Auch nicht, dass er hin und wieder einen Happen vom Menschenfutter bekommt (Als fränkischer Hund freut sich meiner auch immer sehr über einen halben ab und zu gegebenen Sonntags-Kloß). Nur ist ein Hund eben ein Hund. Ein Beutegreifendes Raubtier. Eines, welchem nicht jeden Tag Punkt 16.00 Uhr der Hase ins Maul rennt. Und schon gar nicht geschmort und mit Blaukraut und Knödeln serviert. Auch kommt ein Hund sehr gut ohne Schokolade  zurecht. Genau wie ohne Zucker….  Manche Hundeleckerlis sind so Zuckerhaltig – würde man die einem Kind geben vermutlich sofort die WHO auf der Matte stünde. Nun – ich möchte mich nicht an Leckerlis festbeißen – mit dem Hundefutter selber schaut es oft auch nicht allzu rosig aus. Mit schönen Bildchen von saftigem Gulasch und Hunden mit glänzendem Fell verspricht die Futtermittelindustrie, dass mit genau diesem Futter das allerallerbeste für den Hund getan wird. Sehen sie doch. Glückliche Werbemenschen mit gehorsamen schönen Werbehunden. Genau so wollen doch alle sein. Oder? Bei genauerem Hinsehen ist der Hauptbestandteil von solchen Discountfuttern meist Getreide. gefolgt von Getreide, gefolgt von Fleisch und Tierischen Nebenerzeugnissen. Was auch immer das sein mag. Naja egal, ist ja eh nicht viel davon drin….
Ohne mich jetzt in Futtermitteldiskussionen verlieren zu wollen (ich schweife ab … das ist ein unendlich zu diskutierendes Thema… ) kann ich aber festhalten, was genau eigentlich dem Fressverhalten des Hundes nicht entspricht. Also nicht hundgerecht ist (hier wird von gesunden Hunden gesprochen. Es gibt Erkrankungen, die mehrere Mahlzeiten und/oder feste Fütterungszeiten erfordern)

  • mehrere Mahlzeiten am Tag
  • feste Fütterungszeiten
  • Portionen in immer gleicher Größe
  • Futter in immer der gleichen Qualität
  • zu leicht verdaulich
  • zu wenig Ballaststoffe
  • zu viel, zu oft, zu viel

Daraus schlussfolgern wir einfach mal, dass es besser wäre zu unterschiedlichen Zeiten, unterschiedliche Mengen nicht allzuleicht verdaulichen Futters in unterschiedlicher Qualität zu füttern.
Ist ein Futter all  zu leicht verdaulich kann dies zu Blähungen, großen Stuhlmengen und zu schnellem Anstieg des Blutzuckerspiegels führen. Der dafür aber zu schnell wieder fällt.

Zu große Vermenschlichung in der Ernährung führt in großem Maße zu den gleichen Zivilisationserkrankungen wie beim Menschen. So häufen sich in den letzten Jahren Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen beim Hund in ähnlichem Ausmaß wie bei uns Menschen. Zuviel Zucker, Fett und Bequemlichkeit begünstigen diese unerfreuliche Entwicklung deutlich.

checkHunde leben nicht nach regelmäßigem Schema! Sie müssen sich ihr Futter erarbeiten. So könnte man seinen Hund durchaus ab und zu für einen Teil seines Futters arbeiten lassen. Verstecken im Garten, Belohnung für das Erlernen von kleinen Tricks.
Achtung: ca. 1 Drittel des Futters sollte ohne Gegenleistung am Stück gegeben werden. Diese Menge benötigt der Hundeorganismus für den Basalstoffwechsel. Ein ausschließliches Erarbeiten von Futter fördert nicht die Bindung, sondern der Hund gerät in Abhängigkeit Über Futtererpressung kann man keine Bindung aufbauen (aber das ist schon wieder ein anderes Thema). Unsere Haushunde sind „mental“ eher „nicht ausgewachsene Wölfe“ … sie müssen noch ein wenig umsorgt werden ;-)

checkFüttert man Trockenfutter, freut sich der Hund ab und  zu über einen schönen fleischigen Knochen oder einen Ochsenschwanz, ein paar Hühnerhälse oder ein Stück Suppenfleisch. Das kann man übrigens auch schon verstecken und zusammen mit seinem Hund erjagen :-) .. ich habe mal gehört, dass es sich positiv auf die Bindung auswirken kann, etwas zusammen zu bewältigen … ;-)

Und Zuckerdrops als Leckerchen müssen nicht sein. Über getrocknetes Fleisch, selbergebackene Hundekekse, ein Stück Pansen oder auch ein paar Brocken hochwertiges Trockenfutter ohne unnötigen Inhaltsstoffe freut sich der Hund genauso. Und sie müssen auch nicht Handtellergroß sein. Es geht um die Geste ;-)

Hunde verhalten sich. Immer. Sie verhalten sich so, wie es sie belohnt. Ist Futter zu erwarten, werden sie dieses Verhalten immer und immer wieder zeigen. Das hat weder etwas mit Liebe und Zuneigung seitens des Hundes zu tun, noch auf der anderen Seite mit „Liebe“ zum Tier.

achtungEine Beziehung mit hohem Bindungsfaktor erhält man durch Verlässlichkeit, Berechenbarkeit, gemeinsames Bewältigen von Alltagssituationen, gemeinsames „Erfolg“ haben, Berührungen, Kuscheln, Regeln … usw. usf. … aber Niemals nur durch Verwöhnen mit Futter ….

3. Fehleinschätzung der Wetterfestigkeit des Tieres

Summer chihuahuaSie machen es uns vor – die Reichen und Schönen. Packen Ihre Accessoire-Hündchen in – zumeist teure – Outfits, stecken sie in Mäntelchen und Kleidchen, hängen ihnen Strasskettchen um und tragen sie in kleinen Täschchen den ganzen Tag spazieren. Einige Exemplare unserer Eigenen Spezies (Primaten *g*) möchte genauso sein, wie diese Ausnahme-Exemplare der Gattung Homo sapiens sapiens und tut es Ihnen nach.

Vorneweg:
Es mag durchaus Gründe geben, warum ein Hund einen Mantel trägt. So sollten sportlich eingesetzte Hunde zwischen Agility-Läufen nicht zu lange im Kalten sitzen, da sie sonst auskühlen können. Oder Hunde mit Migrationshintergrund aus südlichen Ländern (Windhundartige), die weder über Unterwolle noch über eine adäquate Fettschicht verfügen, die sie vor den mitteleuropäischen Temperaturen im Winter (!) schützt. Solange ein Hund jedoch in Bewegung ist, ist das nie und zu keiner Zeit nötig. Auch macht es Hunde nichts aus, wenn sie bei Regen nass werden. Wie gesagt: Spezielle Rassen, alte und kranke Hunde ausgenommen.

Was steckt dahinter, dass Menschen ihre Tiere – ihre HUNDE – so behandeln? Nun – diese Artikelserie soll kein Ausflug in die Humanpsychologie werden und ich maße mir auch kein Urteil zu, ob das behandlungs- oder therapiebedürftige Zustände darstellen, nur soviel sei gesagt: Mit Hundeverstand und Tierliebe hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Was passiert nun beim Hund, wenn man ihn in Mäntel steckt und in Taschen herumträgt?

Beraubt den Hund seines Ausdrucksverhaltens wie

  • Fellsträuben
  • Körperspannung

Weitere Folgen:

  • es entsteht ein Wärmestau
  • es entsteht ein Gefühl der Überreizung auf der Haut und der Sinnesorgane

Zusammengefasst:

Hat ein Hund ein Mäntelchen an, kann er von einem anderen Hund nicht mehr richtig gelesen werden. Der Artgenosse sieht nicht, wie der bemantelte Kollege gerne kommunizieren möchte. Schwanz klemmen, Fell sträuben und Körperspannung sind nicht oder falsch zu erkennen. Das kann dazu führen, dass bekleidete Hunde missverstanden und dementsprechend „behandelt“ werden, was auch zu Ängsten, Aggressionen und anderen Verhaltensauffälligkeiten führen kann. Dazu kommt, dass durch diesen Wärmestau unter den Kleidungsstücken (am Schlimmsten sind Billigprodukte aus dem Discounter. Plastik, am besten noch mit Farbstoffen und Weichmachern behandeltes Material, welches zusätzlich noch zu Allergien und Unverträglichkeiten führen kann) die natürliche Fähigkeit mit Temperaturschwankungen umzugehen, ganz oder teilweise verloren geht. Die Haut kann nicht mehr atmen. Der Organismus kommt durcheinander. Für den Hund oft ein ihn sehr stressender Zustand. Die Homöostase (Gleichgewicht von inneren und äußeren Zuständen, vereinfacht ausgedrückt) kommt durcheinander. Ein Hund der im Sommer schwitzt, kann in den Schatten gehen. Einer, der in einem Mantel steckt und überhitzt kann gar nichts machen. Das erzeugt großen Stress und neben körperlichen Krankheiten auch psychische Probleme.

achtung

Vergessen Sie nie, dass Sie einen Hund um sich haben – keine Anziehpuppe fürs Kind, kein modisches Accessoire und keinen Kindersatz

 

 

 

 

Lesen Sie den ersten Teil der Serie:

Lesen Sie in den nächsten Teilen:

Vermenschlichung durch

  • Fehleinschätzung des Bewegungs- und Aktivitätsbedürfnisses
  • Rassestandards
  • übertriebene Körperpflege

Probleme durch

  • Unverständnis der hundlichen Kommunikation
    • körpersprachlich
    • über Gerüche
  • Rangordnungs(un-)verständnis
  • mangelnde Sozialkompetenz und Verhaltensfehlinterpretation des Menschen

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