Gib mir Feedback!

erfolgreich motivieren, ErfolgDa sitzt man auf der Arbeit und brütet Stunden über einer Ausarbeitung und plötzlich steht der Chef hinter einem und mosert: „Das hier ist am Thema vorbei, die Grafik ist voll daneben, wissen Sie überhaupt, was Sie da tun? Machen Sie gefälligst Ihren Job“ und geht hinaus. Leider oft Alltag im Berufsleben. Leider oft Alltag im Privatbereich.

Bis zu einem gewissen Punkt kann so eine negativ-Kritik ja durchaus anspornend sein. Aber letztendlich und vor allem bei dauerhafter und ständiger Kritik, bleibt doch mehr Frust als Arbeitslust.
Würde mein Chef das mit mir drei-viermal so machen wie oben beschrieben, ohne dazwischen ein positives Feedback für irgendeinen Punkt der Arbeit geben, würde die Sabine von vor 15 Jahren irgendwann aufstehen, ihm den Kram vor die Füße schmeißen und ihm erklären, dass er sein beschissenes Projekt doch bitte selber erledigen soll und gehen. Die Mitvierzigerin von heute würde sich erst einen neuen Job suchen und anstelle einer Kündigung  aufstehen, ihm den Kram vor die Füße schmeißen, ihm erklären, dass er ein empathieloses Arschloch ist und dann gehen. Aber das wäre ich.
Manch anderer würde die Kritik schlucken, aus Angst vor Jobverlust sich noch mehr reinhängen, feststellen, dass er nichts richtig machen kann, egal was er tut und von einem gefrusteten Arbeitstag zum nächsten leben. Immer wenn die Tür aufgeht wird er Stressymptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche und Panikgefühl  zeigen „Was wird dem Alten denn heute wieder einfallen?“ und er wird immer mehr Fehler machen… aus Angst, welche zu machen…
So kann kein Mensch auf Dauer seinen Alltag gestalten. Burnout, Herzinfarkt, Depression sind vorprogrammiert…

Menschen reagieren auf zweierlei … ok vielleicht dreierlei Art und Weise auf anhaltenden Stress und Dauerkritik:

  1. Sie kapitulieren und ergeben sich in ihr Schicksal. Sie werden oft Krank. Oder irgendwann wenn gar nichts mehr geht zum Amokläufer (wortwörtlich)
  2. Sie versuchen  der Situation zu entfliehen, sie zu verändern oder zu verbessern. Das erfordert starkes Selbstvertrauen und oft viel Mut und Energie
  3. Sie arrangieren sich, legen sich ein dickes Fell zu, grenzen sich gegen die Angriffe ab und machen trotzdem  ihr Ding weiter, ohne sich weiter einen Kopf zu machen oder etwas zu verändern (ich weiß nicht, ob ich die am meisten bewundern oder bedauern soll… mit Sicherheit leben die am einfachsten)

Warum ist Feedback so wichtig?

Es zeigt einem, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass man gut an die Sache herangeht. Wir alle wollen gefallen mit dem was wir tun und wer wir sind. Facebook-Nutzer wissen, wie sehr man sich über ein „Like“ von der richtigen Person freuen kann. Und aus genau diesem Grund verzichtet Facebook ganz bewusst auf einen „Gefällt mir nicht“ – Button…
Oder in Beziehungen … Wer fühlt sich nicht gut, wenn er ab und zu hört „Du bist toll, ich liebe Dich?“ oder einfach nur: „Danke für das tolle Essen/den tollen Abend/dass es dich gibt“.

Was ist Kritik, was ist keine Kritik und was unterscheidet Kritik von Feedback?

Kritik sollte, wenn sie konstruktiv sein soll, immer einen Lösungsvorschlag beinhalten. Oder eine Idee mitliefern. „Ihre Ausarbeitung geht ganz schön am Thema vorbei. Dabei haben Sie doch eine wunderbare Gliederung! Versuchen Sie sich doch etwas mehr an diese zu halten. Haben Sie schon über xyz nachgedacht?“
Dazu sollte Kritik immer auf die Sache bezogen bleiben. Niemals ins persönliche abdriften und den Menschen dahinter angreifen „Wissen Sie überhaupt, was Sie da tun. Machen Sie gefälligst Ihren Job“

Feedback hingegen ist via Definition eine verbalisierte Rückmeldung an eine Person über ihr Verhalten und dessen Wirkung auf andere.

  • Rückmeldungen dienen dazu, die Selbstwahrnehmung des Feedback-Empfängers zu verbessern und sein zukünftiges Verhalten zu beeinflussen. Feedback ist in beruflichen und privaten Beziehungen ein wirksames Instrument zur Verbesserung der Kommunikation und zur Vermeidung von Missverständnissen. Daher wird Feedback u.a. in der Führung von Mitarbeitern und in der Erwachsenenweiterbildung als Methode, um Übungen wirkungsvoll auszuwerten, eingesetzt.
  • Hinter jedem Verhalten steht eine (mehr oder weniger klare) Absicht. Jedes Verhalten hat eine Wirkung und wird von anderen unterschiedlich erlebt und beurteilt. Durch offenes Feedback kann der Empfänger erfahren, wie er auf andere wirkt. Er kann nun überlegen, ob er das so will und kann gegebenenfalls sein Verhalten verändern.
  • In Beziehungen wird vieles verschwiegen. Durch offenes Feedback wird Verborgenes erkennbar. Wünsche und Bedürfnisse, Freude und Anerkennung können ausgetauscht werden, aber auch Ängste und Verletzungen können angesprochen werden. Dadurch entsteht Vertrautheit, Vertrauen und Nähe.

Nun … dies soll jetzt kein  Blog über Kommunikation und Kritik werden, obwohl das ein sehr sehr spannendes und wichtiges Thema ist. Aber das hier ist ja ein Hundeblog. Jetzt stellt sich die Frage:
„Was will die uns damit sagen?“ und vor allem:

Was hat das jetzt mit unseren Hunden zu tun?

Unsere Hunde unterliegen den gleichen Mechanismen wie wir – wie jedes höher entwickelte Säugetier. Die biochemischen Vorgänge im Körper sind genau die gleichen. Ebenso die Strategien des Körpers mit bestimmten Emotionen wie Angst, Stress usw. umzugehen.

Leider ist in der Hundeerziehung (und auch in vielen Führungsetagen) immer noch das „Preussische Modell“ Gang und Gäbe, welches kurz umrissen bedeutet: Das Ausbleiben von Strafe ist einer Belohnung gleichzusetzen. Oder auf salopp fränkisch: Ned gschimpft ist globt genug. Was heisst, unerwünschtes Verhalten vom Hund wird auf mehr oder weniger unfreundliche Art und Weise gemaßregelt, gutes und erwünschtes Verhalten wird hingenommen, bzw. ignoriert. Das trifft so ungefähr die Vorgehensweise des Chefs im Beispiel ganz am Anfang dieses Blogs. Nun stellen Hunde sich nicht (wie wir) in Frage und hinterfragen nicht das Warum unseres Handels. Sie merken „nur“, dass wir wütend auf sie sind. Und wissen oft nichtmal warum. Sie verhalten sich, wie sie es gelernt haben, wie es sie belohnt, oder wie sich Hunde nun mal verhalten und bekommen dafür eines auf die Mütze. Und dann lässt man sie im Regen stehen. Ohne ihnen mitzuteilen, wann sie was so richtig gut (in unseren Augen) gemacht haben und welches Verhalten sich lohnt öfter gezeigt zu werden. Wir erinnern uns: „hinter jedem Verhalten steht eine Absicht, jedes Verhalten hat eine Wirkung“ – und: Hunde verhalten sich so, wie es sie belohnt. Immer. Dabei deckt sich unsere Vorstellung von Belohnung nicht immer mit der vom Hund ;-) aber das ist ein anderes Thema.
Lässt man seinen Hund immer und immer wieder im Regen stehen, und zeigt ihm nie, dass er auf dem richtigen Weg ist, wird er ähnliche Strategien entwickeln wie der Mensch, um der Situation zu entgehen.

  1. Er kapituliert und ergibt sich seinem Schicksal. Traut sich irgendwann gar nichts mehr aus eigener Initiative und aus eigenem Antrieb zu machen, weil er Angst hat, dass ihm gleich der Himmel wieder auf den Kopf fällt
  2. Er versucht der Situation zu entfliehen, was für einen Hund nicht so einfach ist. Er kann ja schlecht das Zusammenleben mit uns kündigen. Oft verfällt er in Verhaltensauffälligkeiten. Diese haben weitere Maßregelungen zur Folge – so dreht sich eine Spirale immer weiter nach unten. Manche Hunde richten sich gegen sich selber und zeigen Autoaggressionen (sich blutig knabbern oder lecken) oder Stereotypien (Schwanz jagen, vor sich hinstarren, wippen usw.)
  3. Und dann gibt es tatsächlich diejenigen, die so ein sonniges Gemüt und gleichzeitig so ein dickes Fell haben, dass sie vermeintlich damit umgehen können. Die tatsächlich die Klappe halten, weil sie bei z.B. lauten Hundebegegnungen eine auf den Deckel bekommen. Nicht, weil ihr Problem gelöst wäre, sondern weil sie dadurch keine Strafe kriegen. Und die tatsächlich keine Verhaltensauffälligkeiten dabei entwickeln. Das sind dann diejenigen, die oft bei aversiv arbeitenden Hundehaltern/trainern als Beispiel dafür herhalten müssen, dass ihre zweifelhaften Methoden doch funktionieren….. die, die ja so dankbar sind, dass man ihnen endlich zeigt, wo der Hase lang läuft ….

Gib mir Feedback!!

Genau wie wir Menschen, sind Hunde höher motiviert und erreichen eher ihr Ziel, wenn man ihnen für den richtigen Weg ein Feedback gibt. „Ja, genau so, mach weiter“. Das kann auf vielerlei Art und Weise erfolgen und es hat nichts damit zu tun, den Hund für alles was er tut mit Leckerchen vollzustopfen, sondern viel eher damit, ihm zu zeigen, das WIR zufrieden mit ihm sind, oder dass sein im Moment gezeigtes Verhalten besser ist, als ein von uns nicht gewünschtes Verhalten.
Das kann in Form von Futterbelohnung stattfinden, das kann Verhalten verstärkende Belohnung sein (ein aktuelles Bedürfnis des Hundes wird befriedigt, z.B. Buddeln lassen, oder gemeinsames Verfolgen einer Fährte…), das können aber auch aufmunternde Worte oder einfach ein Lächeln sein.
Ein gutes Mittel hierfür ist das Clickertraining oder genauer das Markertraining. Hierzu wird ein zuvor gut und positiv konditioniertes Geräusch (Clicker, Schnalzen, ein kurzes Wort usw.) genutzt, um dem Hund zu vermitteln, dass er mit dem, was er im Moment gerade tut, auf dem richtigen Weg ist, dass dieses Verhalten unsere Zustimmung findet.

Was bedeutet das im Zusammenleben von Mensch und Hund (und auch von Mensch und Mensch!)

Lassen wir unsere Mitgeschöpfe nicht im Regen stehen. Zeigen wir Ihnen, dass das, was sie tun toll ist. Dass sie toll sind. Zeigen wir Ihnen, wenn uns etwas besonders gut gefällt…
Und auch wenn wir manchmal wütend/enttäuscht/gestresst sind – es geht vieles so viel besser und leichter, wenn wir unsere Wertschätzung für das was der andere ist (oder auch tut) zeigen. Beziehung funktioniert, egal ob innerartlich oder artenübergreifend nicht nur in eine Richtung. Feedback kann zu Höchstleistungen anspornen!

Denken Sie heute beim Spaziergang mit Ihrem Hund oder dem Abendessen mit Ihren Lieben einfach einmal kurz daran :-)
© Sabine Wöhner 2013

 

[Definition Feedback: Wikipedia]

 

One Response to “Gib mir Feedback!”

  1. Gabriela sagt:

    Einfach Klasse geschrieben ! Und nicht nur hier beim feedback, aber auch andere blogs ! DANKE

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