Reality Show – oder TV auf den Hund gekommen?

Aktuelles, Hundealltag

17. Januar 2013

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bedrückter Hund?Im wahrsten Sinne auf den Hund gekommen ist ein deutscher TV-Sender, der die Idee der Sendung „Frauentausch“ aufgreift und einen „Herrchentausch“ daraus macht.
Zuerst möchte ich allerdings den gewählten Titel dieses Blogs näher definieren…
Was bedeutet eigentlich „Auf den Hund gekommen“?

  • In der Bergmannssprache wurde der Förderwagen, mit dem das Erz oder die Kohle abtransportiert wird, früher Hunt genannt. Der Hunt ist ein Holzkasten auf Rädern. Wer nicht mehr kräftig genug war, als Hauer zu arbeiten, wurde zum Wagenschieben (Huntstoßen) degradiert, was deutlich geringeren Lohn bedeutete.
  • Eine andere Deutung ist möglicherweise die Kriegskasse, die zur Bezahlung der Söldner während der Kriegshandlungen mitgeführt wurden. Im unteren Teil befand sich ein Holzkästchen (der Hund), in dem die „Notreserve“ aufbewahrt wurde. Wenn man also „auf den Hund kam“, war die Kriegskasse fast leer.
  • Eine andere Version behauptet, dass auf dem Boden der Kassentruhe oder Vorratstruhe ein Hund – Symbol für einen Wächter – aufgemalt war. War so wenig Geld oder Ware in der Truhe, dass man den Hund sehen konnte, war man „auf den Hund gekommen“. Musste man die Reserve im Fach darunter angreifen, war man „unterm Hund“. Auf Burg Lauenstein bei Kronach ist in der dortigen Ausstellung „Schlösser und Truhen“ eine solche Truhe mit eingeschnitztem Hund zu sehen.

Also … offensichtlich sieht der Sender VOX bei seiner Ideenkiste für neue Sendungen, die dem Zweck der Einschaltquoten dienen sollen, im wahrsten Sinne des Wortes den Hund am Boden derselben…

Anders kann ich mir diesen schlechten Streich beim Besten Willen nicht erklären….

OK … wenn sich erwachsene Menschen in den verschiedensten mehr schlechten als rechten Reality-Shows der deutschen Fernsehlandschaft vor einem Millionenpublikum nackig machen, ihr Innerstes nach außen kehren und sich der Lächerlichkeit preisgeben, dann ist das deren alleinige und eigenverantwortliche Entscheidung.
Ein Lebewesen jedoch in so eine Situation zu bringen zeugt nicht wirklich von einer großartigen empathischen Leistung, geschweige denn von gesundem Menschenverstand.

Was bedeutet so ein „Herrchentausch“ für einen Hund?

Nicht nur dass eine Menge fremder Leute mit einer Menge ungewohnter Technik im Rückzugsort erster Ordnung des Haustieres zugange sind – es fehlt dem Tier auch die in gerade SO einer Situation so wichtige Bezugsperson!
Leider wird ganz oft bei aller Euphorie über die x-te Home-Show mit Hunden vergessen, was es heisst, eine Sendung zu produzieren.
Will man halbwegs Qualität in Ton, Bild und Darstellung, benötigt es eine Menge Ausrüstung und eine Menge fremder Menschen.
Minimalausstattung wären hier:
Zwei Kameras mit Kameramännern, Beleuchtung mit Beleuchter, Tontechnik mit Techniker, Regisseur. Oft noch ein-zwei Helferlein, Kabelträger, der Mann an der MAZ usw…..
Also – nochmal: Viele fremde Menschen, viel Brimborium im Haus, es ist wärmer als sonst (Beleuchtung), es ist lauter als sonst, es ist stressiger als sonst…

Und mittendrin ein Hund, dem die Bezugsperson fehlt…. und die gerade in so einer für den Hund bedrückenden, beängstigenden und verwirrenden Situation so wichtig für ihn wäre…

Mir erschließt sich der Sinn der Sendung nicht wirklich. Ausser dass sie einen bestimmten Markt bedienen soll (und traurigerweise mit Sicherheit auch wird….)
Was soll das für ein Tier bringen, wenn es plötzlich mit jemandem anders lebt und sich an ihn anpassen muss?

WAS soll es bringen, wenn sich der verwöhnte Mops plötzlich für eine Woche dem Schutzdiensthundesportler gegenübersieht? Ausser vielleicht, dass er traumatisiert wird?

Meine Meinung … Daumen nach unten für VOX

©Sabine Wöhner 2013

5 Responses to “Reality Show – oder TV auf den Hund gekommen?”

  1. Ralf Wagner sagt:

    Guten Tag Sabine.
    Schade das gerade diese Seite von von vielen nicht beachtet wird. Wie oft habe ich in den vergangenen Tagen gelesen: …man sollte…müßte…auch bei anderen Sendungen…usw.
    Viele schreiben, wenige tun etwas.
    Danke für Deinen Einsatz „Gegen Herrchentausch“.
    LG Ralf Wagner

  2. Manuela Vogt sagt:

    Ja, Sabine tut was. Schade, dass es nur wenige solcher Menschen gibt.

    Ich kann nicht verstehen, was sich die Hundebesitzer dabei denken.
    Was soll das? Wem bringt´s was?
    Arme Hunde!

    Ich werde mir diese Sendung bestimmt nicht anschauen.

    Danke Sabine.

    LG
    Manuela Vogt

  3. Carolin Dohlus sagt:

    Hallo Bine,

    ich finde toll wie Du Dich immer wieder engagierst…
    Ich finde es schrecklich, was da wieder passiert…Wem nutzt so eine Sendung? Armes Deutschland!!Wenn sich Menschen zur „Schau“ stellen wollen in solchen Sendungen, bitte…Aber Tiere, wo sich nicht im geringsten sich wehren können, müssen so einen Schwachsinn über sich ergehen lassen..
    Ich hoffe das soviel wie möglich diese Sendung boykottieren!!Ich werde es mit Sicherheit tun!!

    Lg Caro

  4. Johannes Baumart sagt:

    Alles geht nach Drehbuch und nichts kann aus Kostengründen den Zufall überlassen werden.
    Also werden auf alle Teilnehmer auch Zwänge ausgeübt.
    Bei Youtube gibt es ein Video das sich mit der „Super Nanny“ beschäftigt. Super Nanny läuft zwar auf RTL, nur VOX gehört auch zur RTL Gruppe.

    Für die Richtigkeit des Videos gibt es keine Bestätigung, aber es stimmt schon ziemlich nachdenklich, und ich bin sicher das auch bei Herrchentausch knallhart ein Drehbuch abgearbeitet wird. Alles andere würde die Produktionskosten unkalkulierbar machen.

    http://www.youtube.com/watch?v=jme3YQaDU64

  5. Das ist genau der Punkt, Johannes.
    Ein Drehtag kostet eine ganze Stange Geld – und wenn es sich nicht so darstellt, wie es gewünscht ist, wird das Verhalten provoziert. Das kreide ich ganz besonders den Tiernanny- oder Hundeprofi-Sendungen sehr an.
    Wenn man einen angstaggressiven Hund hat, der aufgrund des ganzen Brimboriums im Haus das Verhalten nicht sooo medienwirksam zeigt – wird es eben provoziert – denn … wie gesagt… Zeit ist Geld…

    Deswegen kann ich auf solche Formate sehr gut verzichten.
    Sie bedienen den Geldbeutel der prodzierenden Sender, füllen den von jenem, der da angeblich Hunde versteht, befriedigen das Ego derer, die sich vor der Kamera präsentieren dürfen – und zahlen darf der Hund ….

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